| Venture Capital |
03.08.2026 11:01:00
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Tim Draper: Warum Bitcoin und KI jetzt eine Symbiose eingehen
• Draper vergleicht den aktuellen KI-Boom mit dem Jahr 1998 und rechnet noch mit mehreren Jahren Aufwärtsbewegung
• Investor hält an seiner Bitcoin-Prognose von 250.000 US-Dollar fest und setzt zusätzlich auf sogenannte Biocures
Neuer Fonds, verpasste Chancen und drei Billionen-Dollar-Investments
Draper Associates hat am 22. Juni den Start von Fund 8 bekanntgegeben. Für Tim Draper ist es nach eigenen Angaben das 41. Jahr im Venture-Capital-Geschäft und das zwölfte Jahr seit der Neuausrichtung der Marke Draper Associates mit externen Investoren, wie er im Interview mit MarketWatch erklärt. Das Unternehmen habe an seiner Strategie festgehalten, früh in unkonventionelle Gründer zu investieren, die mit neuer Technologie Branchen angreifen, die seit mindestens 20 Jahren nicht mehr grundlegend verändert wurden. Zu den frühen Investments zählt die Firma nach eigenen Angaben Tesla, SpaceX, Hotmail, Skype und Baidu, in jüngerer Zeit kamen unter anderem Bitcoin, Robinhood, Coinbase und Oklo hinzu. Im Gespräch mit MarketWatch blickte Draper auch auf Investments zurück, die er verpasst hat. Genannt wurden Facebook, Google, Netflix und LinkedIn, das inzwischen zu Microsoft gehört. Bei Facebook sei er in einem Bieterwettstreit von einer Bekannten überboten worden, bei Google habe sein Team sechs andere Suchmaschinen im Portfolio gehabt und Netflix habe er unterschätzt, weil er den schnellen Wechsel vom DVD-Versand zum Streaming nicht für realistisch gehalten habe. Zugleich verwies Draper darauf, bei drei Unternehmen mit einer Bewertung von jeweils mehr als einer Billion US-Dollar von Anfang an investiert gewesen zu sein, die er als "Trinicorns" bezeichnet. In einem Tweet vom 10. März beschreibt Draper zudem seine Mission, Unternehmertum und Venture Capital weltweit zu verbreiten, und verweist erneut auf sein frühes Engagement bei Tesla zu einer Zeit, in der lange kein Autohersteller mehr erfolgreich neu gegründet worden war.
My life’s mission is to spread entrepreneurship and venture capital around the world. In the process I continue to back visionary founders early, before they have fully baked their visions.
At Draper, we backed Tesla when there had not been a successful car company started in…- Tim Draper (@TimDraper) March 10, 2026
Künstliche Intelligenz und Bitcoin sollen laut Draper zusammenwachsen
Bei einem Auftritt auf dem Shanghai Artificial Intelligence Industry Forum stellte Draper die These auf, dass künstliche Intelligenz und Bitcoin schneller zusammenwachsen als von den meisten Beobachtern erwartet. Bitcoin werde aus seiner Sicht die Grundlage für ein dezentrales Wirtschaftssystem bilden, in dem Roboter und KI-Anwendungen nicht als Ersatz für Menschen auftreten, sondern gemeinsam mit ihnen arbeiten und dafür eigenständig Zahlungen verdienen. Draper fasste diese Punkte in einem Tweet von Anfang Januar zusammen.
I recently spoke at the Shanghai Artificial Intelligence Industry Forum
- Tim Draper (@TimDraper) January 5, 2026
These were my major points:
• AI and Bitcoin are merging faster than anyone expected.
• Bitcoin will create a decentralized economic system.
• Robots and AI will work alongside humans.
• They'll earn…
Zu seiner eigenen Bitcoin-Historie erklärte Draper in einem Gespräch mit dem Divot-Team, seine ersten Bitcoins bereits bei einem Kurs von 4 US-Dollar gekauft zu haben. Einen Teil seines Bestands habe er beim Zusammenbruch der Handelsplattform Mt. Gox verloren, bevor er in einem US-Umfeld wieder eingestiegen sei. Diese Angaben machte Draper am 19. Januar.
Just wrapped up an incredible conversation with the Divot team about Bitcoin, entrepreneurship, and why California needs to wake up.
- Tim Draper (@TimDraper) January 19, 2026
A couple things we covered:
???? ??????????????:
I bought my first bitcoins at $4.
Lost everything to Mt. Gox.
Bought back in in a US… pic.twitter.com/f6dI4jW61S
Bitcoin-Ausblick auf 2026
Für das Jahr 2026 rechnet Draper mit mehreren großen Entwicklungen gleichzeitig. Konkret nannte er in einem X-Beitrag von Januar den Durchbruch von Bitcoin im Mainstream, das Erreichen seiner seit Jahren vertretenen Kursprognose von 250.000 US-Dollar, ein mögliches IPO eines Billionen-Dollar-Unternehmens, kommerzielle Raumflüge zum Mond, sogenannte Biocures für ein längeres Leben sowie autonome Fahrzeuge im Straßen- und Luftverkehr. Gegenüber MarketWatch führte er zudem aus, jede Branche durchlaufe eine von ihm so genannte IS-Kurve, bei der auf eine anfängliche Spitze ein Absturz folge, der von den meisten Beobachtern übersehen werde, bevor eine deutlich größere Wachstumsphase einsetze. Diesen Verlauf habe der Internetsektor um das Jahr 2000 durchgemacht, Bitcoin habe eine vergleichbare Phase 2017 durchlaufen. Draper geht davon aus, dass sich eine Bitcoin-Ökonomie durchsetzen wird, ohne dass dies von der breiten Öffentlichkeit zunächst bemerkt werde.
2026 will be big. #Bitcoin goes mainstream. My $250k prediction finally reached. IPO window opens with a $trillion company. Space flight to the moon for passengers. Bio-Cures drive longer lives. Autonomous vehicles move us around the roads and in the air. Amazing! Awesome!…
- Tim Draper (@TimDraper) January 7, 2026
Einschätzung zur KI-Blase
Zur Frage, ob sich die aktuelle Lage bei KI-Aktien mit dem Höhepunkt der Dotcom-Blase vergleichen lasse, sagte Draper gegenüber MarketWatch, der Prozess der Börsengänge im KI-Bereich stehe noch am Anfang. Die Marktkapitalisierungen seien zwar rund hundertmal so hoch wie in der Internet-Ära, die breite Bevölkerung habe aber noch nicht in die Mehrzahl der Unternehmen investiert. Sollte sich das Muster der damaligen Entwicklung wiederholen, blieben nach seiner Einschätzung noch einige Jahre Aufwärtsbewegung, bevor der Markt eine zu hohe Zahl an Börsengängen nicht mehr verkraften könne. OpenAI habe demnach aktuell den größten Marktanteil, während Anthropic im Unternehmensgeschäft an Boden gewinne, daneben verwies Draper auf spezialisierte Anbieter für Wissenschaft, Medizin und Recht. Eine Bärenmarkt-These für KI-Investments lehnte Draper im Gespräch ab, er bezeichnete sich selbst als "Optimisten" und verwies auf die im Vergleich zu früheren Zeiten deutlich höhere Lebensqualität durch technologischen Fortschritt.
Verpasste Chancen und die Wette auf Biocures
Auf die Frage nach aktuell unmöglich erscheinenden Wetten nannte Draper gegenüber MarketWatch Investments im Bereich Biocures. Einzelne Unternehmen aus seinem Portfolio arbeiteten daran, Körperzellen zu entnehmen, in einen früheren Zustand zurückzuversetzen und anschließend wieder einzusetzen, um Alterungsprozesse umzukehren, wobei auf diesem Weg auch Fortschritte bei der Behandlung von Leberkrebs erwartet würden. Andere Firmen arbeiteten an der Klonung von Körperteilen als Ersatzteile für Menschen. Im Bereich Robotik geht Draper davon aus, dass vor der Entwicklung eines allgemein einsetzbaren, bewussten Roboters zunächst zahlreiche spezialisierte Roboter für einzelne Aufgaben entstehen werden. Als Beispiel für dieses Muster nannte er das Portfoliounternehmen Colossal, das ursprünglich zur Wiederbelebung des Wollhaarmammuts gegründet wurde und auf diesem Weg unter anderem ein Küken ohne Ei ausgebrütet und Dire Wolves nachgezüchtet habe. Draper verwies zudem darauf, mit Tesla, SpaceX und einem weiteren Unternehmen von Anfang an an drei sogenannten Trinicorns beteiligt gewesen zu sein, Firmen mit einer Bewertung von jeweils mehr als einer Billion US-Dollar.
Jonas Vogt, Redaktion finanzen.at
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