Hormus-Maut 22.06.2026 10:08:00

US-Iran-Gespräche laufen weiter

US-Iran-Gespräche laufen weiter

Das erste direkte Treffen der Top-Delegationen in der Schweiz ist vorerst beendet: Nach 18 Stunden intensiver Gespräche haben Irans Verhandlungsführer Mohammed Bagher Ghalibaf und Außenminister Abbas Araghtschi die Heimreise nach Teheran angetreten, wie die iranische Nachrichtenagentur Tasnim berichtete.

Die diplomatische Arbeit in dem Luxusresort Bürgenstock bei Luzern steht deshalb aber nicht still. Unmittelbar im Anschluss an das Treffen der Chefunterhändler gehen die Beratungen auf Arbeitsebene weiter. Die Vermittlerstaaten Pakistan und Katar erklärten, dass im weiteren Wochenverlauf in kleineren Facharbeitsgruppen im Bürgenstock weiterverhandelt wird. Das Ziel bleibt ambitioniert: Wie im Rahmenabkommen vorgesehen, soll innerhalb von 60 Tagen ein finales Abkommen stehen. Dafür wurde mit den abreisenden Chefunterhändlern bereits das konkrete Vorgehen für die kommenden zwei Monate vereinbart. Die spezialisierten Arbeitsgruppen werden sich unter anderem mit dem iranischen Atomprogramm sowie dem Abbau der westlichen Wirtschaftssanktionen befassen.

Konstruktive Atmosphäre trotz digitaler Querschüsse aus Washington Der Auftakt seit Sonntag verlief den Vermittlern zufolge trotz der extremen Spannungen erfolgreich. "Es wurden ermutigende Fortschritte erzielt, inklusive der Schaffung eines Mechanismus für weitere Gespräche", hieß es in einer gemeinsamen Erklärung, die von Katar und Pakistan auf der Plattform X verbreitet wurde.

Bemerkenswert: Auch jüngste Drohungen von US-Präsident Donald Trump gegen den Iran, die er am Sonntag während der laufenden Verhandlungen in den sozialen Medien veröffentlicht hatte, führten nicht zu einem Abbruch der Gespräche. Katars Ministerpräsident Mohammed bin Abdulrahman Al Thani unterstrich die fortlaufenden Bemühungen in der Nacht mit einem Foto auf X, das ihn gemeinsam mit US-Vizepräsident JD Vance und Trumps Schwiegersohn Jared Kushner am Laptop zeigte, versehen mit den Worten: "Live aus Luzern, die Arbeit geht weiter." Das erste direkte, rund einstündige Treffen der Delegationen am Sonntagnachmittag war von US-Seite von Vizepräsident Vance angeführt worden, der plangemäß am Montag zurück in die USA reisen sollte.

Neuer Sicherheitskanal für die Straße von Hormus und den Libanon

Um die globale Wirtschaft zu schützen und militärische Zwischenfälle zu verhindern, vereinbarten die Parteien handfeste Sicherheitsmechanismen. So wurde ein direkter Gesprächskanal eingerichtet, um Missverständnisse in der Straße von Hormus zu vermeiden und eine sichere Passage für Handelsschiffe zu garantieren. Die Meerenge gilt als eines der wichtigsten Nadelöhre der Weltwirtschaft für den Transport von Öl, Flüssiggas und Düngemitteln.

Zudem schufen die Unterhändler ein Überwachungsforum, das die Einhaltung der Waffenruhe im Libanon absichern soll. Dort war das Rahmenabkommen Ende vergangener Woche fast kollabiert, da es wiederholt zu gegenseitigen Angriffen zwischen der israelischen Armee und der proiranischen Hisbollah-Miliz gekommen war. Die israelische Regierung ist nicht an den Verhandlungen beteiligt und lehnt den im Rahmenabkommen vereinbarten Abzug aus dem Südlibanon vehement ab. Vorerst hat sich die Lage vor Ort jedoch beruhigt.

Iran vermeldet Teilerfolge bei Blockaden und Finanzen

Irans Außenminister Abbas Araghtschi zog via X eine positive Bilanz des Auftakts und sprach von "großen Fortschritten" bezüglich der Libanon-Frage. Das neue Überwachungsforum sei der "erste wirkliche Test" für die Stabilität der Vereinbarungen. Laut Araghtschi wurde die US-Seeblockade iranischer Häfen bereits aufgehoben und erste eingefrorene iranische Staatsguthaben freigegeben. Zudem sei ein umfassender Plan für den wirtschaftlichen Wiederaufbau im Iran angestoßen worden. Von US-Seite gab es in der Nacht zunächst keine Bestätigung dieser Angaben.

Trumps Drohgebärden und der Streit mit den US-Medien

Überschattet wurden die Gespräche von scharfen Tönen aus Washington. Am Sonntagnachmittag forderte Trump via Truth Social, der Iran müsse seine "hoch bezahlten Stellvertreter" im Libanon stoppen: "Wenn sie das nicht tun, werden wir den Iran erneut sehr hart treffen." Gegenüber Fox News legte er mit Blick auf die Straße von Hormus nach: "Wenn ihr sie schließt, habt ihr kein Land mehr." Zuvor hatte der Iran behauptet, die Meerenge blockiert zu haben, was das US-Militär jedoch dementierte.

Der iranische Verhandlungsführer Ghalibaf reagierte gelassen auf die Rhetorik aus dem Weißen Haus. Wenn solche Drohungen wirken würden, befänden sich die USA nicht in ihrer jetzigen ausweglosen Lage, konterte er auf X: "Wir nehmen diese Äußerungen nicht ernst."

Gleichzeitig lieferte sich Trump eine Schlammschlacht mit der heimischen Presse. Eine Analyse der "New York Times", wonach der von Trump befohlene Krieg gegen den Iran strategisch fast wirkungslos geblieben sei, bezeichnete der US-Präsident als "verräterisch" und "korrupt". Er drohte mit einer Erweiterung seiner bestehenden Klage gegen das Medienhaus. Die Zeitung hatte argumentiert, dass das Machtsystem in Teheran trotz personeller Wechsel intakt und womöglich sogar gestärkt sei, während sich der Iran durch das Rahmenabkommen bereits erhebliche Sanktionserleichterungen gesichert habe.

Die USA und Israel hatten den Iran-Krieg Ende Februar begonnen. Nach einer ersten, teils brüchigen Waffenruhe Anfang April folgte vergangene Woche das wegweisende Rahmenabkommen, das nun innerhalb der 60-Tage-Frist in dem laufenden Verhandlungsmarathon in der Schweiz in einen dauerhaften Friedensvertrag gegossen werden soll.

Claudia Stephan, Redaktion finanzen.net mit Material von dpa-AFX

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Bildquelle: Aritra Deb / Shutterstock.com
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