19.09.2022 20:30:38
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Im Sinne der Familie, Kommentar zum Börsengang von Porsche von Carsten
Steevens
Frankfurt (ots) - Zu groß, um zu scheitern, waren in den Finanz- und
Schuldenkrisen vergangener Jahre Banken und Staaten in Europa. Zu groß und zu
wichtig, um zurückzuziehen, erscheint trotz des Kriegs in der Ukraine, hoher
Inflation, Energiekrise und Rezessionsängsten der nun am 29. September geplante
Börsengang von Porsche.
Ein erfolgreiches IPO des Sportwagenbauers, das mit einem Volumen von bis zu 9,4
Mrd. Euro das größte in Europa seit mehr als einer Dekade würde, wäre ein
Signal, dass solche Projekte auch unter schwierigen Rahmenbedingungen möglich
sind. Die Reaktion an den Aktienmärkten nach Bekanntgabe der Preisspanne für
die zu platzierenden stimmrechtlosen Porsche-Vorzugsaktien hat eher
Erleichterung erkennen lassen, dass die Börsenpläne durchgezogen werden sollen,
als Enttäuschung über die Bewertung der Volkswagen-Tochter von insgesamt 70 bis
75 Mrd. Euro.
Dass letztere um einiges vom oberen Rand der in den vergangenen Monaten
kolportierten Spanne entfernt liegt, kommt der VW-Eigentümerfamilie
Porsche/Piëch entgegen, die den vor einem Jahrzehnt infolge der gescheiterten
VW-Übernahme verloren gegangenen direkten Zugriff auf "ihre" Marke
zurückgewinnen will. Denn die Verschuldung ihrer Porsche Automobil Holding SE
zum Erwerb des Sperrminoritätsanteils von 25 Prozent plus einer Aktie der
stimmberechtigten Porsche-AG-Stammaktien fiele umso geringer aus, je weiter der
relevante endgültige Platzierungspreis der Vorzugsaktien unter dem oberen Ende
der Preisspanne bliebe.
Zugleich liegt die mit dem Börsengang angestrebte Bewertung deutlich oberhalb
der herumgereichten Marke von 60 Mrd. Euro, die im Vorfeld als Schmerzgrenze für
das Projekt galt. Damit winkt eine höhere Sonderdividende, die VW im Falle eines
erfolgreichen Börsengangs an die Aktionäre zahlen will und die der
Familienholding Porsche SE zur Finanzierung der Transaktion ebenfalls dienen
würde.
Der Mehrmarkenkonzern aus Wolfsburg setzt darauf, dass die Marke Porsche mit
ihrer hohen Ertragskraft als krisenresistenter Luxusautobauer bei Investoren
stark gefragt ist. Dass sich Interessenten mit tiefen Taschen wie das Emirat
Katar, nach Porsche SE und dem Land Niedersachsen drittgrößter Aktionär von VW,
und der norwegische Staatsfonds sowie zwei weitere institutionelle Investoren
bereits verpflichtet haben, zusammen knapp 40 Prozent des zur Platzierung
anstehenden Vorzugsaktienkapitals zu zeichnen, lässt die Erfolgschancen des
Börsengangs steigen. Nicht zuletzt zeigen die Zusagen der vier designierten
Ankerinvestoren aber auch, dass Bedenken aufgrund von Interessenkonflikten keine
große Rolle spielen. Dabei widersprechen die personellen Verflechtungen bei VW,
Porsche SE und Porsche AG Regeln guter Unternehmensführung, auf die viele
Anleger zunehmend Wert legen.
Volkswagen werden mögliche Erlöse aus dem Teilverkauf des Sportwagenbauers von
mehr als 19 Mrd. Euro neben der Dividende zum Umbau in Richtung Elektromobilität
und Digitalisierung dienen. Auch könnte die eigene Aktie für Anleger durch den
Porsche-Börsengang attraktiver werden. Doch der Zeitpunkt für das IPO ist
zumindest für den Konzern alles andere als günstig. Wer bei diesem Projekt das
Heft in der Hand hält, ist offenkundig.
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