14.07.2015 20:50:40

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Börsen-Zeitung: Wegweisender Deal, Kommentar zum Ende des Atomstreits

von Dieter Kuckelkorn

Frankfurt (ots) - Die Einigung im Streit um das Atomprogramm des

Iran kann aus politischer Sicht sicherlich als wegweisend betrachtet

werden. Das nukleare Forschungsprogramm des Landes ist aus Sicht der

USA weitgehend entschärft. Die Wahrscheinlichkeit, dass den Iranern

der von ihnen vermutlich geplante Bau einer Atombombe gelingt, ist

nun stark gesunken. Die Einigung, mit der sich die USA praktisch

komplett durchgesetzt haben, wahrt auch die aktuellen

Machtverhältnisse am Persischen Golf. Der Iran wird nicht zu einer

Atommacht aufsteigen, was ihm die weitgehende Kontrolle über die

Region beschert hätte sowie die Möglichkeit, die Ölversorgung des

Westens im Fall eines Konflikts durch Sperrung der Straße von Hormus

zu kontrollieren. Nun ist klar, dass die USA die Zügel in der Hand

behalten werden.

Was die aktuelle Lage am Ölmarkt betrifft, so sind die

Auswirkungen weniger dramatisch. Dies spiegelt sich auch in der

Entwicklung des Ölpreises wider. Brent Crude verbilligte sich am

Dienstagmorgen zunächst um mehr als 2%. Nachdem die Marktteilnehmer

Gelegenheit hatten, sich über die Folgen der Einigung für das globale

Ölangebot klar zu werden, legte die Notierung sogar deutlich zu. Dies

liegt daran, dass es noch lange dauern wird, bis der Iran wieder mit

voller Kraft produzieren kann. Das Land fördert derzeit noch 1,4

Mill. Barrel pro Tag (bpd). Im Jahr 2011 waren es noch 2,6 Mill. bpd,

in den Spitzenzeiten vor mehr als einer Dekade sogar 4 Mill. bpd. Die

iranische Ölindustrie ist wegen der Sanktionen, aber auch wegen

unterlassener Investitionen ein Schatten ihrer selbst. Aktuell hat

das Land zwar 20 Mill. Barrel gelagert, die es kurzfristig auf den

Markt werfen kann. Die aktuelle Förderung kann aber zunächst

bestenfalls um 400000 bpd gesteigert werden. Für eine Erhöhung der

Produktion um weitere 500000 bpd wird der Iran wohl ungefähr ein Jahr

brauchen. Die Internationale Energieagentur geht davon aus, dass bis

dahin die weltweite Nachfrage zugelegt hat und die Förderung von

Ländern wie Russland zurückgegangen sein wird.

Damit werden der Iran-Deal und die Rückkehr des iranischen Öls auf

den Weltmarkt wohl nicht für einen neuerlichen drastischen

Ölpreisverfall sorgen, sondern lediglich dazu beitragen, dass der

Anstieg des Ölpreises in den kommenden Jahren eng begrenzt sein wird.

Von größerer Bedeutung für die Ölpreisentwicklung dürfte sein, wie

sehr Saudi-Arabien daran interessiert ist, den Preiskrieg gegen die

Schieferölproduzenten weiterzuführen.

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