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06.05.2026 07:59:42
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FSB warnt vor Risiken durch Private Credit
Von Hans Bentzien
DOW JONES--Der Financial Stabilty Board (FSB) hat vor den Risiken für die Finanzstabilität gewarnt, die von Private Credit ausgehen. In einem Bericht macht er auf die Verflechtung dieses Segments mit den Banken, eine mangelnde Transparenz und die Konzentration auf bestimmte Branchen aufmerksam. Folgende Punkte werden im Einzelnen aufgeführt:
1. Verflechtung mit dem Bankensystem
"Das Ökosystem der Privatkredite zeichnet sich durch immer engere Verbindungen zwischen Vermögensverwaltern, Banken, Versicherern und Private-Equity-Firmen aus", heißt es in dem Bericht. Banken und Privatkreditfonds seien durch Finanzierungsvereinbarungen und strategische Partnerschaften miteinander verknüpft. Die verfügbaren Daten der FSB-Mitglieder erfassten direkte Engagements in Höhe von rund 220 Milliarden US-Dollar an in Anspruch genommenen und nicht in Anspruch genommenen Bankkreditlinien für Privatkreditfonds. Kommerzielle Schätzungen lägen sogar bei 270 bis 500 Milliarden Dollar, was die Schwierigkeiten bei der Datenerfassung in diesem Sektor verdeutliche.
"Zudem bestehen Risiken durch indirekte Engagements, etwa wenn Banken revolvierende Kreditfazilitäten für Unternehmen bereitstellen, die gleichzeitig Kredite von Privatkreditfonds aufnehmen, sowie durch die zunehmende Nutzung synthetischer Risikotransfers", heißt es weiter.
2. Kreditrisiken und Bewertungspraktiken
Die mangelnde Transparenz bei der Bewertung und die Abhängigkeit von privaten Kreditratings können nach Aussage des FSB Belastungen in Krisenzeiten verstärken. "Da Kreditnehmern im Privatkreditbereich in der Regel öffentliche Ratings fehlen, gestaltet sich die marktweite Überwachung schwierig. Vorliegende Erkenntnisse deuten darauf hin, dass diese Kreditnehmer typischerweise eine geringere Kreditqualität und eine höhere Verschuldung aufweisen als Unternehmen in vergleichbaren öffentlichen Märkten", merkt der FSB an.
Nach seiner Aussage gibt es Anzeichen für Stress bei den Kreditnehmern, da die Nutzung von Sachkapitalisierungsvereinbarungen (Payment-in-Kind) zugenommen habe und die Ausfallraten, wenn auch von niedrigem Niveau aus, stiegen. "Auch die zunehmende Nutzung privater Ratings, teils von weniger bekannten Anbietern, durch ratingabhängige Investoren wie Versicherer bedarf einer genauen Beobachtung", so der FSB. Da die Kreditvergabe stark auf Sektoren wie Technologie, Gesundheitswesen und Dienstleistungen konzentriert sei, erhöhe sich das Risiko, dass ein firmen- oder sektorspezifischer Schock zu einer breiteren Marktbelastung führe.
3. Hohe Konzentration
Die starke Sektorkonzentration wird nach FSB-Angaben durch komplexe, mehrschichtige Verschuldungsstrukturen ergänzt. Liquiditätsprobleme ergeben sich zudem aus der wachsenden Beliebtheit von Fonds, die den Anlegern Rückgabeoptionen bieten, was die Prozyklizität von Privatkrediten verstärken könnte.
4. Datenlücken schließen
Der FSB rät den Behörden dazu, Datenlücken zu schließen und Inkonsistenzen bei Begriffsdefinitionen zu beseitigen. "Dies betrifft insbesondere den Mangel an granularen Daten auf Fonds- und Kreditebene sowie das Fehlen harmonisierter globaler Definitionen, was eine präzise Überwachung der Risiken derzeit erschwert." Ein weiterer Schwerpunkt liege auf der Vertiefung der Analyse bezüglich der Verflechtungen zwischen Privatkrediten, Private-Equity-Gesellschaften und Versicherern. Hierbei steht vor allem die Untersuchung von Liquiditätsungleichgewichten in Privatkreditfonds im Fokus, um potenzielle systemische Risiken besser verstehen und bewerten zu können.
Kontakt: hans.bentzien@dowjones.com
DJG/hab/mgo
(END) Dow Jones Newswires
May 06, 2026 02:00 ET (06:00 GMT)
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