08.05.2023 20:24:40
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EU-Kommissarin fordert schnellen Umsetzung der Regeln zur KI
Von Andrea Thomas
BERLIN (Dow Jones)--EU-Wettbewerbskommissarin Margrethe Vestager hat angesichts der immensen Fortschritte der Künstlichen Intelligenz (KI) dazu aufgerufen, den Artificial Intelligence Act (AI Act) der Europäischen Union zügig umzusetzen. Auch sollte Europa die Chancen der KI ergreifen und nicht zu zögerlich vorgehen, da ansonsten andere Regionen wie Asien oder die USA voranschreiten würden, wie sie auf einer Veranstaltung in Berlin sagte. Bundeswirtschaftsminister Robert Habeck (Grüne) warnte ebenfalls vor zu viel Skepsis bei der Künstlichen Intelligenz. Nach seiner Ansicht wären die Menschen "Idioten", wenn sie die KI nicht nutzten.
"Es ist wichtig, dass wir den AI Act jetzt bekommen und dass wir ihn schneller umsetzen", sagte Vestager, die auch Vizepräsidentin der EU-Kommission ist, beim "3. Gespräch zur Transformation" des Ministeriums in Berlin.
Die EU-Kommission hat das Gesetzespaket, das den Umgang mit Künstlicher Intelligenz in Unternehmen, im öffentlichen Sektor und auch in der Legislative regeln soll, bereits 2021 vorgelegt. Es wird aktuell im EU Parlament debattiert. Anschließend muss es noch umgesetzt werden.
Vestager sagte, der Chatbot Chat GPT, der Künstliche Intelligenz einsetzt, würde in der Praxis breit genutzt werden, wie etwa auch von Schülern nach dem Unterricht, beim Schreiben von Gedichten oder bei Hochzeitsansprachen. Daher wäre es die schlechteste Entscheidung, hier auf die Pause-Taste zu drücken, da andere Länder und Regionen dann die Entwicklung beschleunigen würden, warnte Vestager.
Habeck kritisiert komplizierte Genehmigungsverfahren
Habeck monierte auf der gleichen Veranstaltung, dass die Genehmigungsverfahren in der EU noch immer zu lange dauerten und dass hier auch die KI bei der Überprüfung der umfangreichen Unterlagen für die Genehmigungsprozesse hilfreich sein könnte. Aktuell dauerten Genehmigungsprozesse oft viele Jahre.
"Wir sind nicht wettbewerbsfähig, wenn das alles so lange dauert", kritisierte Habeck. "Wir haben uns verrannt." Denn was in der Theorie richtig erscheinen mag, sei in der Praxis oft hinderlich.
Gleichzeitig monierte er, dass die unterschiedliche Umsetzung etwa von Datenschutzrichtlinien in den verschiedenen Bundesländern die Geschäftsentscheidungen der Unternehmen sehr erschweren würden. Mit dieser Bürokratie sei man "überhaupt nicht" wettbewerbsfähig mit anderen Regionen in der Welt, so Habeck.
Auch Vestager machte deutlich, dass die Umsetzung von EU-Regulierungen in der Praxis noch verbesserungsfähig sei. "Regulierung kann ein unterschiedliches Leben in unterschiedlichen Mitgliedsstaaten haben", sagte Vestager. "Wir haben eine Regel mit 27 unterschiedlichen Geschmacksrichtungen." Es wäre wichtig sich anzusehen, wie die Regeln im echten Leben aussehen.
Kontakt zur Autorin: andrea.thomas@wsj.com
DJG/aat/jhe
(END) Dow Jones Newswires
May 08, 2023 14:25 ET (18:25 GMT)

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